Kaltschale gegen Hitze

06.07.2017 Hildegard Gandelheid (84 Jahre) ist sehr konzentriert bei der Sache. Obwohl ihre Finger nur eingeschränkt beweglich sind, gelingt es ihr erstaunlich gut, jede einzelne rote Johannesbeere fein säuberlich von der Rispe zu trennen und in eine große Metallschüssel zu bugsieren.

Hildegard Gandelheid bereitet die Johannesbeeren vor.

14 Teilnehmer der Kochgruppe des Pflege- und Altenheims Gerricusstift in Düsseldorf-Gerresheim sind an diesem Julivormittag zusammen gekommen, um gemeinsam eine Mahlzeit zuzubereiten. Doch statt wie üblich ein leckeres Mittagessen wie beispielsweise Spargel mit Kartoffeln oder Gemüsesuppe vorzubereiten, steht dieses Mal aufgrund der sommerlichen Temperaturen Kaltschale aus Beerenobst auf dem Programm. Für die fruchtige Nachspeise machen sich die Bewohnerinnen gleich ans Werk: Kirschen müssen entsteint, Johannesbeeren gezupft und Erdbeeren von den grünen Blättern befreit werden.

Hildegard Herrmann (l.) entsteint unterdessen die Kirschen.

 „An heißen Tagen achten wir darauf, dass unsere Bewohnerinnen und Bewohner möglichst nichts Schwerverdauliches essen und ausreichend trinken“, sagt Irene Hoppe vom Sozialen Dienst des Gerricusstifts. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Nicole Vetten leitet sie die Koch- und Backgruppe der Einrichtung, die sich jeden ersten bzw. dritten Mittwoch im Monat trifft. Eine fruchtige Kaltschale sei im Sommer ideal, weil sie dem Körper Flüssigkeit, Vitamine und Erfrischung biete“, ergänzt Irene Hoppe. 

Gisela Gasper macht das Obstputzen sichtlich Freude.

Trotz vielerlei körperlicher oder demenzieller Beeinträchtigungen gelingt es den älteren Damen recht schnell, die sechs Kilogramm Obst zu putzen. Bloß die Kirschen brauchen etwas länger, weil es nur zwei Entsteiner gibt. Doch beherzt greift so manche Bewohnerin zum Messer und schneidet die Kirsche auf, um an den Kern zu gelangen. Nebenbei sei dies ein wunderbares Training der Feinmotorik, weiß Nicole Vetten vom Sozialen Dienst. „Vor einiger Zeit haben wir Sparschäler für die Kochgruppe angeschafft. Doch unsere Bewohnerinnen schälen die Kartoffeln lieber mit dem Messer – wie früher“, fügt sie hinzu. Überhaupt kämen die Bewohnerinnen beim gemeinsamen Kochen und Backen leichter miteinander ins Gespräch. „Da erzählen sie gerne über ihr Leben und ihre Gewohnheiten“. An diesem Vormittag geht es plötzlich um Reibekuchen, die die Kochgruppe auch gerne mal zubereitet. Zwei Bewohnerinnen, die aus Schlesien stammen, erklären ihren rheinischen Mitbewohnerinnen, dass die Kartoffelpuffer in ihrer Heimat nicht „Rievkooche“, sondern „Flinsen“ genannt werden.

 

Auch Maria-Katharina Busch ist voll konzentriert bei der Sache.

Unterdessen kocht Nicole Vetten in einem riesigen Topf Wasser mit Zucker, Vanillestangen, einer Prise Salz und Perlsago auf. Erst nachdem sich die weißen Stärkekügelchen aufgelöst haben, fügt die Mitarbeiterin des Gerricusstifts das Beerenobst hinzu und lässt das Ganze noch einige Zeit weiterköcheln. „Unsere Bewohnerinnen kennen Perlsago aus Nachkriegszeiten und vergleichen das Aussehen im gequollenen Zustand gerne mit Froschlaich“, erzählt Nicole Vetten lächelnd.

Nicole Vetten fügt das Beerenobst dem Sud aus Perlsago hinzu. (Alle Fotos: Angelika Fröhling)

Während normalerweise die Mitglieder der Kochgruppe nach dem „Schnibbeln“ dazu übergehen, weiße Tischdecken aufzulegen und mit Blumenvasen zu dekorieren („das Mittagessen wird dann richtig zelebriert“, so Irene Hoppe), haben sie sich heute etwas länger zu gedulden. Die Fruchtsuppe muss noch auskühlen und wird erst zum Abendbrot serviert. Aus Erfahrung weiß Irene Hoppe, dass die Bewohnerinnen gerne noch einen Nachschlag nehmen, wenn sie die Mahlzeit selbst zubereitet haben: „Selbstgekochtes schmeckt einfach besser.“ Und: „Ich bin gespannt, wie es heute Abend mit der Kaltschale ist.“


 

 

Fitnesstraining auch im hohen Alter.

Gabriele Schröder (r.) vom Gerresheimer Turnverein leitet jeden Montag das Fitnesstraining im Gerricusstift. (Foto: Anja Schmitz)

22.05.2017 Übungsleiterin Gabriele Schröder muss die beiden Herren, die gemeinsam mit 15 Damen im Clubraum des Pflege- und Altenheims Gerricusstift im Kreis sitzen, nicht lange überreden. Bereitwillig lassen sich Günter Berghahn (87 Jahre) und Helmut Palm (76 Jahre) Gewichtsmanschetten um die Handgelenke binden, damit die Sitzgymnastik noch intensiver wirkt. Und dann geht es auch schon los. Begleitet erst von Volksmusik und dann von brasilianischen Rhythmen werden die Bewohnerinnen und Bewohner des Gerricusstifts angeregt, ihre Arme, Schultern, Rumpf, Beine und Füße zu bewegen.

 

Günter Berghahn bekommt Gewichtsmannschetten angelegt. (Foto: Anja Schmitz)

Dabei kommt keine Langeweile auf: Im Laufe des einstündigen Trainings verteilt Gabriele Schröder bunte Wischtücher, Brasils (ovale, mit Sand gefüllte Gummigewichte mit einer genoppten Oberfläche) und Rumba-Rasseln. In der sich anschließenden, zweiten Gymnastikstunde für Senioren, die allen Mitgliedern des Gerresheimer Turnvereins offen steht, bringt die Trainerin an diesem Tag Bälle und Holzstangen zum Einsatz. 

Der Landessportbund NRW ist sehr zufrieden, wie es in Düsseldorf-Gerresheim läuft. Das Pflege- und Altenheim Gerricusstift und der Gerresheimer Turnverein 1883 e.V. sind einer von 35 Kooperationspartnern, die das Modellprojekt „Bewegende Alteneinrichtungen und Pflegedienste“ aus dem Programm „Bewegt älter werden in NRW“ des Landessportbundes vorbildlich umsetzen. Dabei profitieren beide Seiten: das Altenheim stellt den Raum zur Verfügung und erhält dafür eine kostenlose Sportstunde für die Bewohnerinnen und Bewohner. Der Turnverein wiederum kann eine Sportstätte nutzen, die für Senioren barrierefrei und gut erreichbar ist – ein großer Vorteil in einer Stadt, deren Hallensituation seit Jahren angespannt ist.

 

Mit "Brasils" und südamerikanischer Musik lässt sich leicht die Hand- und Armmuskulatur trainieren. (Foto: Angelika Fröhling)

„Wir möchten bewegungsfreundliche Alteneinrichtungen fördern“, erklärt Marcel Ernst vom Landessportbund NRW. Ziel sei es, dass die Zahl der teilnehmenden Einrichtungen von derzeit 35 bis zum Ende des Projekts im Jahr 2019 auf insgesamt 100 ansteigt. Als „Anschubförderung“ stellt der Landessportbund den Vereinen jeweils 1.000 Euro zur Verfügung, die diese dann für Materialien und Übungsleiterhonorar einsetzen können. Gabriela Jaik, Geschäftsführerin des Gerresheimer Turnvereins, freut sich zwar über die Finanzspritze, doch sei dies gar nicht der ausschlaggebende Grund gewesen, an dem Programm des Landessportbundes teilzunehmen: „Wir platzieren seit Jahren Sportangebote an Orten, wo ältere Menschen leben und unsere Mitglieder gut hinkommen können.“

Tatsächlich arbeiten das Pflege- und Altenheim Gerricusstift und der Gerresheimer Turnverein schon seit 13 Jahren gut zusammen – mit einer Unterbrechung während des umfangreichen Umbaus des Gerricusstifts. „Wir wollen die Beweglichkeit unserer Bewohner fördern und sehen das Angebot des Turnvereins als optimale Ergänzung zu unseren übrigen Bewegungsangeboten wie beispielsweise unser wöchentliches Balancetraining“, sagt Remy Reuter, der Leiter des Gerricusstifts. In seiner Einrichtung werden die Mitarbeiter individuell geschult, um möglichst viel Bewegung in den Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner zu integrieren. Da viele Bewohner einer Generation angehörten, die hart gearbeitet, aber keinen Sport nach unserem heutigen Verständnis getrieben habe, werden sie von den Mitarbeitern zu kleineren Bewegungen zum Beispiel schon morgens beim Aufstehen angeregt, ohne dass dies „Turnstunde“ genannt würde, so Remy Reuter.

(Foto: Marcel Ernst)

„Allein mit Stuhlgymnastik kann man auf Dauer keinen Senior vom Sofa herunter locker“, weiß auch Axel Scherschel vom Stadtsportbund Düsseldorf, der gemeinsam mit dem Landessportbund die „Netzwerkpartnerschaften“ zwischen einem Altenheim oder Pflegedienst und einem Sportverein fördert. Dabei ist Fitnesstraining keine Frage des Alters: Auch wer im Rollstuhl sitzt oder einen Rollator benutzt, kann seine Bewegungsfähigkeit steigern. Übungsleiterin Gabriele Schröder bekräftigt, dass sich viele Teilnehmer schon im Anschluss an die Gymnastikstunde besser bewegen könnten und sich entsprechend wohler fühlten. „Eine Teilnehmerin erzählte mir, dass sie durch das Training wieder Treppen steigen könne“, so Schröder. Das sei eine schöne Bestätigung ihrer Arbeit.


 

Streichelzoo zu Gast im Gerricusstift

16.03.2017. In der mit rund 60 Bewohnerinnen und Bewohnern gut besetzten Caféteria des Gerricusstifts in Düsseldorf-Gerresheim herrscht an diesem Donnerstag ein ungewöhnlich hoher Lautstärkepegel. Kein Wunder, denn Gabi Weyerhorst von „Gabis mobiler Tierfarm“ aus Essen sorgt für reichlich Gesprächsstoff. Sie hat Pony Moritz, Esel Jonathan, die Wüstenrennmäuse Minnie und Mausi, die beiden Frettchen Hugo und Fips sowie sieben Kaninchen mitgebracht. Therese Herbst gefällt es, den geduldigen Esel Jonathan zu streicheln – obwohl sich sein Fell für sie „sehr komisch“ anfühlt. Normalerweise redet die 100-Jährige nicht sehr viel, doch heute erzählt sie bereitwillig, dass sie und ihr Bruder früher einen Hund, Kaninchen und Tauben gehalten haben. 



Therese Herbst findet, dass sich Esel Jonathans Fell "sehr komisch" anfühlt.

Ingrid Keller vom Sozialen Dienst des Pflege- und Altenheims kennt das: „Wir stellen jedes Mal fest, dass bei den Bewohnerinnen und Bewohner Erinnerungen von früher hochkommen und dass sie sich viel mehr untereinander unterhalten, wenn Tiere im Raum sind.“ Das Streicheln des Fells fördere zudem die Aufmerksamkeit. Es sei ganz offensichtlich, dass die Tiere die Stimmung der Bewohner aufhellen, so Ingrid Keller.



Horst Ehmke streichelt eines der sieben Kaninchen.

Von der positiven Wirkung der Vierbeiner ist auch Jutta Reidenbach überzeugt. Ihre an Demenz erkrankte, 85 Jahre alte Mutter Margarete Dudka hat Kaninchen Sandy auf dem Schoß. „Und endlich leuchten ihre Augen wieder“, sagt Jutta Reidenbach. Früher hätte ihre Mutter mit Begeisterung auf ihren Hund Snoopy aufgepasst. Leider habe er vor einem Jahr eingeschläfert werden müssen. Deshalb freue sich ihre Mutter so, mal wieder ein Tier streicheln zu dürfen.



Der kleine Nager "Mausi" bereitet Lucia Losse sichtlich Freude.

Für Aufregung sorgen die beiden quirligen Frettchen Hugo und Fips. Sie laufen zwar durch die mitgebrachten Röhren. Doch viel lieber flitzen sie über den Boden der Cafeteria, so dass Gabi Weyerhorst Mühe hat, die schnellen Tiere wieder einzufangen, damit die Gerricusstift-Bewohner sie auch mal streicheln und näher anschauen können. An „Minnie“ und „Mausi“ scheiden sich dann allerdings die Geister. Während sich einige Bewohner und Bewohnerinnen schnell abwenden und der 49-jährigen Tierpädagogin damit signalisieren, dass sie keinen Kontakt zu einer Wüstenrennmaus wünschen, kann Lucia Losse gar nicht genug von „Mausi“ bekommen. Amüsiert lässt die 77-Jährige den kleinen Nager auf ihren Händen, Armen, Schultern und sogar im Nacken herumlaufen.



Auch bei anderen Bewohnerinnen kommt die Wüstenrennmaus von Gabi Weyerhorst (r.) gut an.

Als Gabi Weyerhorst nach gut zwei Stunden die Kaninchen wieder einsammelt, um sie in die mit Streu gepolsterten Transportboxen zu setzen, wird sie bereits gefragt, wann sie mit ihrem Streichelzoo wiederkommt. Lange wird es sicher nicht dauern bis die nächsten Tiere gestreichelt werden dürfen, denn das Pflege- und Altenheim Gerricusstift lädt regelmäßig Tierbesitzer ein, mit dem Besuch ihrer Lieblinge den Bewohnerinnen und Bewohnern eine Freude zu machen. In der Zwischenzeit sorgen immerhin „Sammy“ und „Gisy“ für Abwechslung. Die lebhaften Hunde von Pflegefachkraft Heike Maigatter und Petra Reinartz, der kommissarischen Pflegedienstleiterin sind mehrmals in der Woche in den Wohnbereichen zu Gast und lassen sich auch gerne kraulen.



"Da steht ein Pferd auf'm Flur" - Pony Moritz macht alles mit. (Fotos: Angelika Fröhling)
 

 

Der Umbau ist geschafft!

17.11.2016. Dreieinhalb Jahre lang gingen im Gerricusstift nahezu täglich die Handwerker ein und aus und bauten das Pflege- und Altenheim in Düsseldorf-Gerresheim gründlich um. Inzwischen sind die 4,8 Millionen Euro teuren Umbauarbeiten im Inneren abgeschlossen. Damit erfüllt das Gerricusstift, dessen Träger die katholische Kirchengemeinde St. Margareta ist, als eine der ersten Einrichtungen in Nordrheinwestfalen die baulichen Vorgaben des Landespflegegesetzes, die erst im Juli 2018 umgesetzt sein müssen. Dazu zählt zum Beispiel eine Einzelzimmerquote von 80 Prozent.



Remy Reuter, Petra Reinartz und Michael Bremen mit Deckenlifter in einem der frisch sanierten Einzelzimmer.

Bei der Einweihungsfeier des komplett renovierten Pflege- und Altenheims räumte Michael Bremen vom Kirchenvorstand St. Margareta ein, dass er anfangs Sorge gehabt hätte, ob die hohen Kosten zu stemmen seien. „Dass wir mit dem Gerricusstift jetzt diese Herausforderung gemeistert haben, ist allen Beteiligten nicht hoch genug anzurechnen“, so Bremen.

Pfarrer Karl-Heinz Sülzenfuß, der das neugestaltete Gerricusstift mit Weihwasser segnete, dankte dem ehrenamtlich arbeitenden Kirchenvorstand sowie allen Verantwortlichen für die große Leistung. Den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie den Nachbarn, zu denen auch er zählt, dankte er für die Geduld. Dabei gab er schmunzelnd zu, dass er während der oft ohrenbetäubend lauten Bauarbeiten das Fluchen gelernt habe.


Pfarrer Karl-Heinz Sülzenfuß segnet bei der Einweihungsfeier das neu gestaltete Gerricusstift.

„Die Zeit der Entbehrung hat sich aber gelohnt“, sagte Remy Reuter, Leiter des Alten- und Pflegeheims und betonte, dass alles im Kosten- und Zeitrahmen geblieben sei. Durch größeren Komfort und die Nutzbarkeit moderner technischer Hilfsmittel habe man einen echten Mehrwert gewonnen, von dem die Bewohner und Mitarbeiter gleichermaßen profitierten, ergänzte der Einrichtungsleiter.

So verfügt das sanierte, komplett barrierefrei gestaltete Haus nun beispielsweise in allen der insgesamt 73 Einzel- und 15 Doppelzimmer über Vorrichtungen für einen Deckenlifter. Darüber hinaus gibt es jetzt geräumige Badezimmer, elektrisch verstellbare Duschstühle, ein optisches Leitsystem zur leichteren Orientierung, eine Rufanlage, die auch bis in den Außenbereich reicht, vergrößerte Aufenthaltsräume in den Wohngruppen, eine renovierte Cafeteria und ein intelligentes Schließsystem.



Blick in eines der neuen, barrierefreien Badezimmer mit elektrisch verstellbarem Duschstuhl.

Eine besondere Herausforderung waren die 130 Bewohnerumzüge, die im Verlauf der sieben Bauabschnitte koordiniert werden mussten. „Das Schlimmste war, als ich mich einmal verzählt habe und zwei Bewohner zunächst kein Zimmer hatten“, erzählt Remy Reuter von der Bauphase. „Aber ich versichere, sie mussten nicht in einer Abstellkammer schlafen." Das schönste Erlebnis während der Bauzeit sei der Moment gewesen, als eine Bewohnerin vor Freude über ihr neues Zimmer und die neuen Möglichkeiten in Tränen ausgebrochen sei, so Einrichtungsleiter Reuter.


 

Ein Garten für die Sinne

03.11.2016. Die ellipsenförmige Pflasterung und der braune Mutterboden für Beete lassen das Aussehen der neuen Gartenanlage des Pflege- und Altenheims Gerricusstift in Düsseldorf-Gerresheim zumindest erahnen. Im Dezember sind die Bauarbeiten dann abgeschlossen. Herzstück der Neugestaltung ist ein Sinnesgarten, der vom Frühjahr an mit duftenden Kräutern, blühenden Blumen, mit Wind-, Wasser- und Klangspielen insbesondere Menschen mit Demenzerkrankungen Anregungen und Orientierung bieten wird.



Noch ist der Sinnesgarten eine Baustelle. Im Hintergrund v.l.n.r.: Remy Reuter, Michael Brockerhoff und Harald Blank; im Vordergrund kniet Landschaftsgartenbaumeister Thomas Dluzak (Foto: A. Fröhling)

Rund 80 Prozent der 103 Bewohner des Gerricusstifts sind laut des Leiters, Remy Reuter, an Demenz erkrankt. Häufig haben sie einen hohen Bewegungsdrang. „Doch leider müssen sie zurzeit oft warten, bis sie Jemand nach draußen begleiten kann“, sagt Reuter. Wenn erst der Sinnesgarten fertiggestellt ist, werden die Bewohnerinnen und Bewohner auch alleine den abgeschlossenen Bereich des Gartens nutzen dürfen. Ein barrierefreier Zugang, eine gute Beleuchtung und eine Rufanlage für den Notfall sorgen im Sinnesgarten für Sicherheit. Eine Nutzung durch Demenz-Tagesgruppen anderer Einrichtungen hält Remy Reuter nach Absprache an einzelnen Terminen für möglich. Erste Anfragen gibt es bereits. 



Modellansicht des Sinnesgartens (Bild: Blank Landschaftsarchitekten)

„Wenn ein Gartenbesucher eine Rose betrachtet und ihren Duft einatmet, kann er sich möglicherweise an frühere Erlebnisse und Empfindungen erinnern“, weiß Landschaftsarchitekt Harald Blank, der mit seinen Plänen die bisherigen grünen Flächen rund um das Gerricusstift in einen abwechslungsreichen Garten verwandelt. Außerdem machten Krokusse und Tulpen beispielsweise den Frühling sichtbar, während gefärbtes Laub und Anemonen den Herbst anzeigten. „Das Zeitgefühl Demenzkranker kann sich in einem Garten besser entwickeln als in einem Zimmer“, ist Blank überzeugt.

Neben Blumen und Bäumen, die mit ihren Farben und ihrem Duft Anregungen bieten, werden Stationen für alle Sinne, für Hören, Sehen, Riechen und Fühlen im Sinnesgarten eingerichtet: eine Vogelvolière, ein Wasserlabyrinthstein, ein Klangspiel, eine Duftorgel und ein Windspiel. Allein für diesen Teil des Gartens belaufen sich die Kosten auf knapp 59.000 Euro. Die Bürgerstiftung Gerricus, die u.a. Projekte für Senioren im Stadtteil Gerresheim unterstützt, will diese Kosten durch Spenden finanzieren. „Vom Sinn des Gartens konnte die Bürgerstiftung Gerricus viele Spender überzeugen, sodass im Laufe der jahrelangen Planungen viele Spenden zweckgebunden eingezahlt wurden“ berichtet Michael Brockerhoff, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Gerricus. Ziel sei es, Menschen mit Demenz mehr Freude am Leben zu verschaffen. „Ein Aufenthalt im Garten ermöglicht Begegnungen und vertieft Kontakte“, so Brockerhoff weiter. Das entspreche dem Leitgedanken „Begegnungen fördern“ der Stiftung.



So soll der Eingangsbereich vor dem Haupteingang aussehen. (Bild: Blank Landschaftsarchitekten)

Darüber hinaus will die Bürgerstiftung Gerricus auch die rund 45.000 Euro teure Neugestaltung des Vorplatzes des Gerricusstifts durch Spenden finanzieren. Unterstützt durch Landschaftsarchitekt Blank, der das Entree des Pflege- und Altenheims als „Visitenkarte des Hauses“ bezeichnet, soll der Eingangsbereich zu einer Art Terrasse mit einem neuen Bodenbelag, Sitzgelegenheiten, Sonnenschirmen und einem Wasserspiel hergerichtet werden. „Wir gehen hier auf die Vorlieben der Bewohnerinnen und Bewohner ein, denn vor dem Haupteingang sitzen sie oft, um die Sonne zu genießen und den Alltagsbetrieb mitzubekommen“, weiß Michael Brockerhoff. Ein ansprechender Vorplatz des Hauses trage schließlich auch zum Wohlbefinden bei.



Der Blick vom Balkon auf den Ruheplatz. (Bild: Blank Landschaftsarchitekten)

Sowohl der Sinnesgarten als auch der Vorplatz sind Bestandteil der gesamten Grünanlagen rund um das Pflege- und Altenheim, die von Harald Blank nach einem durchgängigen Konzept angelegt wurden (Gesamtkosten: rund 233.000 Euro). Im westlichen Teil des Gartens wird es einen dritten Anlaufpunkt geben: eine Sitzgruppe im Halbrund mit Bäumen und Pflanzen, der sogenannte „Ruheplatz“. Bewohner, Pflegepersonal und Angehörige freuen sich jedenfalls darauf, den neu gestalteten Garten bald nutzen zu können.


 

Schülerpraktikanten helfen Bewohnern

29.09.2016. Auf den Donnerstagnachmittag freut sich Günter Berghahn besonders. Denn dann kommt der 14-jährige Schüler Alexander Müller zu ihm ins Pflege- und Altenheim Gerricusstift in Düsseldorf-Gerresheim. „Es ist schön, Gesellschaft zu haben“, sagt der 86-Jährige, der ansonsten wenig Besuch bekommt.

Seit Anfang September macht Alexander Müller vom Marie-Curie-Gymnasium in Düsseldorf-Gerresheim ein Sozialpraktikum im Pflege- und Altenheim Gerricusstift. Dabei ist Alexander einer von zurzeit vier Schülerpraktikanten, die die Bewohnerinnen und Bewohner des Gerricusstifts ein Schuljahr lang begleiten.

 
Alexander Müller und Günter Berghahn starten zu einem Spaziergang.
(Fotos: A. Fröhling)

Etwa zwei Stunden verbringt Alexander jede Woche mit Günter Berghahn. Dann gehen die beiden spazieren, machen Besorgungen und unterhalten sich. Für ungemütliche Tage im Herbst und Winter hat sich Günter Berghahn schon eine Spielesammlung parat gelegt. 

„Ich war positiv überrascht, wie fit Herr Berghahn ist“, berichtet Alexander von seinem ersten Treffen mit dem Senior vor den Sommerferien. Den Praktikumsplatz hat er sich selbst ausgesucht. Während viele seiner Klassenkameraden in Kindergärten oder bei der Bahnhofsmission mithelfen würden, wollte er sich bewusst für ältere Leute einsetzen. „Es macht auf jeden Fall Spaß“, sagt der Jugendliche, der in seiner Freizeit gerne Tennis spielt. Außerdem findet er es gut, dass das Praktikum über eine längere Zeitspanne geht. 60 Stunden muss er mindestens machen. Doch Alexander geht davon aus, dass es am Ende mehr Stunden sein werden.

An Gesprächsstoff mangelt es jedenfalls nicht. Günter Berghahn ist Hobbyfotograf, gelernter Buchbinder und arbeitete 40 Jahre lang im Düsseldorfer Goethe-Museum. Dadurch ist er viel in Deutschland und Europa herumgekommen. Doch Berghahn erzählt nicht nur gerne von seinen beruflichen Erlebnissen. Der gebürtige Gerresheimer weiß auch viel von der Vergangenheit im Stadtteil zu erzählen. So erinnert er sich noch an die Zeit, als die Engländer nach dem Zweiten Weltkrieg in Gerresheim stationiert waren. Von Alexander will er meistens Neuigkeiten aus dem Schulalltag erfahren. Dabei ist der Gerricusstift-Bewohner froh, dass sich der Schüler so gut mit der Technik auskennt. So habe ihm Alexander beispielsweise dabei geholfen, die Anzeige seines Digitalradios neu einzustellen. 



Der 14-Jährige hört gerne zu, wenn der 86-Jährige erzählt.

Dass es schön ist, regelmäßig Besuch von einer Schülerpraktikantin zu bekommen, bestätigt auch Hildegard Herrmann: „Man hat sich viel zu erzählen und kommt auch eher nach draußen.“ Die Bewohnerin des Gerricusstifts profitiert schon seit mehreren Jahren von der Kooperation des Pflege- und Altenheims mit dem Marie-Curie-Gymnasium. Erst kürzlich hat sie von einer ihrer ehemaligen Schülerpraktikantinnen Post aus England bekommen. „Das hat mich riesig gefreut.“


 

"Gisy und Sammy sind fast schon Mitarbeiter"

30.06.2016. „Gisy“ und „Sammy“ sind zwei lebhafte, verspielte junge Hunde. Kaum sind sie im Tagesraum im Wohnbereich 2 des Pflege- und Altenheim Gerricusstift in Düsseldorf-Gerresheim angekommen, möchten die Bewohnerinnen und Bewohner sie gerne streicheln und ihnen Leckerchen geben. „Eigentlich hatte ich immer Angst vor Hunden, weil ich einmal gebissen wurde. Doch auf diese beiden Hunde freue ich mich immer“, erzählt die 78jährige Rollstuhlfahrerin Ursula Jetschmann.  

 

Gisy fühlt sich auf dem Schoß von Ursula Jetschmann wohl. Pflegefachkraft Heike Maigatter freut sich, wenn ihr Hund bei den Bewohnerinnen und Bewohnern für Abwechslung sorgt.

Rund drei Mal in der Woche nehmen Pflegefachkraft Heike Maigatter und Petra Reinartz, kommissarische Pflegedienstleiterin, ihre Hunde „Gisy“ und „Sammy“ mit an ihren Arbeitsplatz im Gerricustift. Die vierjährige Shih-Tzu-Malteser-Mix-Hündin Gisy und der dreieinhalbjährige Havaneser-Rüde Sammy kennen sich dort bestens aus und sind bei fast allen Bewohnerinnen und Bewohnern sehr beliebt. 

„Es ist schön zu sehen, wie sogar schwer an Demenz erkrankte Bewohner plötzlich von ihren früheren Erlebnissen mit ihren Hunden erzählen“, weiß Petra Reinartz zu berichten. „Und selbst bei bettlägerigen Bewohnern, die sich nicht mehr äußern können, geht ein Strahlen über das Gesicht, wenn wir ihnen Sammy oder Gisy mal auf die Bettdecke setzen“, fügt die kommissarische Pflegedienstleiterin hinzu. Nicht umsonst werden Sammy und Gisy im Gerricusstift schon fast als Mitarbeiter gesehen.

 

Hund Sammy lässt sich von Felicitas Fierlings gerne streicheln. Petra Reinartz, Hundebesitzerin und kommissarische Leiterin des Pflegedienstes, und Alltagsbegleiterin Janine Ising schauen fröhlich zu.

„Unsere Bewohnerinnen und Bewohner sind viel motivierter, wenn sie die Hunde sehen und können sich beispielsweise auf einmal wieder bücken, um sie zu streicheln“, erzählt Heike Maigatter, die Besitzerin von Gisy. Auch die Alltagsbegleiter im Gerricusstift nähmen Sammy und Gisy gerne mit auf einen Spaziergang, wenn sie mit Rollstuhlfahrern unterwegs seien. So sind die Sammy und Gisy für alle ein Gewinn.