Gerresheimer Glas weckt Erinnerungen

14.11.2017. Die 85-jährige Elisabeth Graf hat trotz harter Schichtarbeit gute Erinnerungen an die Zeit, als sie mit Mitte Zwanzig in der Gerresheimer Glashütte am Fließband stand: „Wir haben uns alle gut verstanden, und ich habe gerne dort gearbeitet.“ Ihre Aufgabe war es, die fertig bedruckten Glasflaschen auf das Band zu stellen, das zum Aushärten in den Ofen führte. Auch ihr Ehemann, ein gelernter Schlosser, war in der Gerresheimer Glashütte tätig, die vor zwölf Jahren geschlossen wurde. 


Bewohnerinnen und Kinder der Kita St. Margareta schauen zu, wie Glasbläser Oguz Özdemir ein Herz aus Glas formt.

So wie Elisabeth Graf geht es vielen ihrer Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern im Pflege- und Altenheim Gerricusstift in Düsseldorf-Gerresheim: Sie haben selbst in der Fabrik gearbeitet oder kennen jemanden, der dort tätig war. Kein Wunder: Zu ihren besten Zeiten gehörte die Gerresheimer Glasfabrik zu den größten Glashütten der Welt und beschäftigte mehr als 5.000 Mitarbeiter aus vielen verschiedenen europäischen Ländern. 

„Dass sich so viele unserer Bewohnerinnen und Bewohner an die Glashütte erinnern, haben wir zum Anlass genommen, hier in unserem Haus einige der in Gerresheim hergestellten Produkte zu zeigen“, sagt Remy Reuter, Leiter des Gerricusstifts, der am Dienstag eine kleine Glasausstellung in dem Pflege- und Altenheim eröffnete. Sein Dank galt Gaby und Peter Schulenberg vom Förderkreis Industriepfad Düsseldorf-Gerresheim (FKI), die dafür aus ihrem eigenen Archiv und dem Archiv des FKI Flaschen, Einmachgläser und kuriose Gegenstände wie einen „Spucknapf“ für Winzer zusammengetragen und aufbereitet hatten. 


Bewohnerin Christa-Maria Koch erzählt Peter Schulenberg vom Förderkreis Industriepfad Düsseldorf-Gerresheim von ihren Erinnerungen an die Gerresheimer Glashütte.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt neben einem Glasbläser, der seine Kunst vorführte, eine „Dotzwasserflasche“, die Peter Schulenberg bei der Eröffnung der Ausstellung herumzeigte. Eine solche Flasche enthält eine Glaskugel, die damals kohlensäurehaltige Getränke wie Sprudel, Limonade oder Brause luftdicht verschloss. Obwohl die Kinder der Kita St. Margareta, die zur Ausstellung ins benachbarte Gerricusstift gekommen waren, so eine Flasche noch nie gesehen haben, errieten einige von ihnen schnell, wie die Kugel in die Flasche kommt. Drei Arbeitsschritte waren dazu notwendig. Dies ist auch einer der Gründe, warum die aufwändige Produktion der Kugelverschlussflaschen Mitte der 1950er Jahre in Gerresheim eingestellt wurde. Sehr zum Leidwesen der damaligen Kinder. Auch Peter Schulenberg hat als Kind noch mit den Kugeln („Dotzen“) gespielt und erinnert sich, dass ein Glasdotz im Tauschhandel so viel wert war wie drei Dotze aus Ton. 


Eine "Dotzwasserflasche" aus der Produktion der Gerresheimer Glashütte.

Die Erinnerungen an die Gerresheimer Glashütte hält auch Gerricusstift-Bewohnerin Helga Begere wach, die mit 18 Jahren in der einst größten Flaschenfabrik der Welt am Fließband gearbeitet hat. Jeden ersten Montag im Monat trifft sie sich im zentrum plus in Gerresheim mit etwa vierzehn anderen Männern und Frauen, die alle einen Bezug zur Glasfabrik haben. In dem Gesprächskreis werden dann Geschichten zu Mitarbeitern und Begebenheiten der Glashütte zusammengetragen und erzählt, wie es damals im „unteren Gerresheim“ war. „Ich verpasse keinen Termin“, sagt die heute 82-Jährige stolz. 

Gerresheimer Glas weckt Erinnerungen: Peter Schulenberg (r.) im Gespräch mit Bewohnerin Gisela Lennartz und ihrem Mann.

Für Gaby Schulenberg sind solche Erinnerungen von Zeitzeugen ein regelrechter Schatz. Sie rief bei der Ausstellungseröffnung die Bewohnerinnen und Bewohner des Gerricusstifts auf, Verwandte und Freunde, die in der Gerresheimer Glashütte gearbeitet haben, zu bitten, Fotos und Dokumente wie beispielsweise Einstellungspapiere zu sichern. „Viele Fotos oder Alltagsgegenstände aus Glas werden bei Wohnungsauflösungen leider weggeworfen“, bedauert Gaby Schulenberg, die sich gemeinsam mit ihrem Mann seit Jahren für den Erhalt der Erinnerung an die Gerresheimer Glashütte einsetzt. 


Als es noch keine Tiefkühlgeräte gab, wurde Eingemachtes in Gerrix-Gläsern haltbar gemacht. (Alle Fotos: Angelika Fröhling)

Gerricusstift-Bewohnerin Elisabeth Graf bedauert zudem den Rückzug der Glasflaschen: „Heutzutage gibt es ja leider fast nur noch Plastikflaschen.“


 

Herbstfest mit Kartoffeln und "Keyboarder Karl"

19.10.2017. „Zum Herbst gehören für mich Stoppelfelder und Kartoffelfeuer“, sagt Irmgard Kakeroth, Hauswirtschaftsleiterin des Pflege- und Altenheims Gerricusstift in Düsseldorf-Gerresheim. Für das Herbstfest des Gerricusstifts suchte sie deshalb bewusst ein Gericht mit Kartoffeln aus. Zur Freude der gut 50 Bewohnerinnen und Bewohner, die an diesem Oktoberabend in der mit Heidekraut, Strohballen und Kürbissen geschmückten Caféteria gemeinsam mit Freunden, Angehörigen und Mitarbeitern des Pflege- und Altenheims zusammen kamen, gibt es frisch gebackene Reibekuchen mit Apfelmus. 


Aus der heißen Pfanne: Küchenleiter Peter Kohlm von Eberhard Catering und Hauswirtschafterin Parsto Monsef sorgen dafür, dass die Reibekuchen ganz frisch auf den Teller kommen.

„Die schmecken wirklich köstlich“, meint eine Bewohnerin als sie eine Nachschlagportion der Kartoffelpuffer erhält. „Viel besser als sonst.“ Kein Wunder: Schließlich hatte Peter Kohlm vom Michael-Eberhardt-Catering-Team erst einige Stunden zuvor etwa 35 Kilogramm Kartoffeln in seiner Großküche „durchgedreht“. Nun steht er auf dem Vorplatz des Gerricusstifts und backt in zwei riesigen heißen Pfannen die Reibekuchen vor Ort aus. „Natürlich schmecken frisch zubereitete Reibekuchen immer am besten“, findet auch Peter Kohlm. „Heute soll es ja auch etwas Besonderes geben.“  


Auf den Nachschlag, serviert von Margarete Grund (Mitte), freuen sich Bewohnerinnen und Gäste schon.

Ganz besonders war auch die Musik an diesem Abend. Mit Liedern wie „Lass‘ die Sonne in dein Herz“ und „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ animierte Karl-Josef Jörrißen alias „Keyboarder Karl“ die Bewohnerinnen und Bewohner zum Mitsingen und Schunkeln. Eine Bewohnerin singt gut gelaunt einige Zeilen ins Mikrofon des Alleinunterhalters aus Eschweiler. Beim Klassiker „Adieu mein kleiner Gardeoffizier“ schnappen sich fast alle eine rote Papierserviette und schwenken sie über ihren Köpfen im Takt. Für Nicole Vetten vom Sozialen Dienst des Gerricusstifts ist das Herbstfest am Ende des Abends ein Erfolg: „Leckeres Essen, mitreißende Musik und zufriedene Bewohner – so wünschen wir uns das!“


"Keyboarder Karl" alias Karl-Josef Jörrißen bringt die Herbstfest-Gesellschaft in Stimmung. (Alle Fotos: Angelika Fröhling)

 

Ein Garten für die Sinne

30.08.2017. Das Wetter passte perfekt zu einer Garteneröffnung: Bei hochsommerlichen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein genossen es gestern die Bewohnerinnen und Bewohner des Pflege- und Altenheims Gerricusstift in Gerresheim, die neuen Gartenlagen einzuweihen. Herzstück der Neugestaltung ist ein geschützter Sinnesgarten, der mit duftenden Kräutern, blühenden Blumen, mit Wind-, Wasser- und Klangspielen sowie einer Duftorgel insbesondere Menschen mit Demenzerkrankungen Anregungen für alle Sinne und Orientierung bietet. Neue Sitzbänke im westlichen Teil des Gartens und ein großzügiger, repräsentativer Vorplatz mit weiteren Sitzbänken, einem Wasserspiel, neuen Pflanzen und einem neuen Bodenbelag laden zum Verweilen an der frischen Luft ein.

 


Bewohnerinnen, Michael Brockerhoff und Harald Blank (v.l.) betrachten den Wasserlabyrinthstein im neuen Sinnesgarten.

„Wir freuen uns, dass wir dank der Unterstützung durch die Bürgerstiftung Gerricus ansprechende und abwechslungsreiche Begegnungsorte für Bewohner, Mitarbeiter und Gäste schaffen konnten“, sagte Remy Reuter, Leiter des Gerricusstifts, bei der Eröffnung. Vor allem der Sinnesgarten sei für Demenzkranke, die inzwischen rund 80 Prozent der 103 Bewohner ausmachten, eine große Bereicherung, so Reuter. Nun müssten die demenzkranken Bewohner, die häufig einen hohen Bewegungsdrang haben, nicht mehr warten, bis sie Jemand nach draußen begleitet. Den abgeschlossenen Teil des Gartens können sie nun auch alleine nutzen. Ein barrierefreier Zugang, eine gute Beleuchtung und eine Rufanlage für den Notfall sorgen dort –wie auch im gesamten Garten - für Sicherheit.


Ein Bewohner probiert das neue Klangspiel aus.

 Finanziert hat den Sinnesgarten die Bürgerstiftung Gerricus. „Vom Sinn eines solchen Gartens konnte die Bürgerstiftung Gerricus viele Menschen überzeugen, sodass im Laufe der jahrelangen Planungen viele Spenden gewonnen werden konnten, darunter sehr großzügige von Privatpersonen, aber auch Gelder von Unternehmen“, erzählte der Vorstandsvorsitzende Michael Brockerhoff. Insgesamt hat die Bürgerstiftung Gerricus rund 100.000 Euro an Spenden für den Sinnesgarten, für die Umgestaltung des Zufahrtsbereichs vor dem Eingang des Gerricusstifts zu einer einladenden Sitzecke und für die zusätzliche Ausstattung der Gartenanlagen, z.B. mit einem Wasserlabyrinthstein und einem von Künstlern gestalteten Windspiel, gesammelt.


Einrichtungsleiter Remy Reuter unterhält sich mit einer Bewohnerin und einer Alltagsbegleiterin über die Vogelvolière.

Besonders beliebt bei den Bewohnerinnen und Bewohnern sei die Voliere, in der zehn bunte Kanarienvögel munter zwitschern, berichtet Gerricusstift-Mitarbeiterin Corinna Siwon. Aber auch das Klangspiel im Sinnesgarten, ein so genanntes Dendrophon, komme gut bei den Bewohnern an. „Manche spielen sehr schöne Melodien darauf, die sogar noch in den Wohnbereichen zu hören sind und die Bewohner neugierig machen“, ergänzt Corinna Siwon. 


Die Gerüche aus der Duftorgel wecken Erinnerungen.

Der Sinnesgarten mit seinen verschiedenen Stationen zum Riechen, Sehen, Hören und Schmecken ist nicht isoliert zu sehen, sondern er ist Bestandteil der gesamten Grünanlagen rund um das Gerresheimer Pflege- und Altenheim, die nach einem durchgängigen Konzept unter der Leitung von Landschaftsarchitekt Harald Blank angelegt wurden. Dazu gehören zum Beispiel im offenen Gartenbereich mehrere Pflanztische, an denen auch Rollstuhlfahrer Blumen pflanzen und Kräuter ernten können, sowie eine Sitzgruppe im Halbrund mit Bäumen und Blumen, auf die auch die Bewohner von einem neu errichteten Balkon herabblicken können.

 


An die Pflanztische kommen auch Rollstuhlfahrer gut heran.

„Wenn ein Gartenbesucher eine Rose betrachtet und ihren Duft einatmet, kann er sich möglicherweise an frühere Erlebnisse und Empfindungen erinnern“, weiß Harald Blank. „Nicht zuletzt kann der Aufenthalt im Garten Begegnungen ermöglichen und Kontakte vertiefen“, ergänzt Michael Brockerhoff. Das entspreche dem Leitgedanken ‚Begegnungen fördern‘ der Bürgerstiftung Gerricus. 


Eines der beiden neuen Windspiele im Außengelände. (Alle Fotos: Angelika Fröhling)

Um Begegnungen zu fördern und um einen großen Wunsch der Bewohner aufzugreifen, regte die Bürgerstiftung Gerricus auch die Umgestaltung des Eingangsbereichs zu einer schönen Terrasse mit Bänken und Sonnenschirmen an. Nun sitzen die Bewohnerinnen und Bewohner gerne vor dem Haupteingang, um die Sonne zu genießen und den Alltagsbetrieb mitzubekommen. „Damit stehen unseren Bewohnern nun viele Möglichkeiten offen, das Außengelände zu nutzen“, so Einrichtungsleiter Remy Reuter.


 

Sommerfest International

20.07.2017. Für das Sommerfest des Pflege- und Altenheims Gerricusstift in Düsseldorf-Gerresheim hatten sich die neue Hauswirtschaftsleiterin Irmgard Kakeroth und das Team der Michael Eberhardt Catering GmbH, das für die Verpflegung der Gerricusstiftbewohner zuständig ist, ein besonderes kulinarisches Highlight ausgedacht: Passend zum Thema „Sommerfest International“ entführten sie Bewohner, Mitarbeiter und Angehörigen nach Spanien und bereiteten vor ihren Augen auf einem großen Außengrill eine leckere Paella zu. Wegen des unbeständigen Wetters hatten die Mitarbeiter des Gerricusstifts allerdings kurzfristig in der Caféteria im Erdgeschoss die Tische gedeckt.


Küchenleiter Peter Kohlm von Eberhardt Catering bei der Zubereitung der Paella.

Irmgard Kakeroth und die beiden Köche Peter Kohlm und Tobias Rheinsch boten eine Paella mit Hühnchenfleisch und eine mit Meeresfrüchten an. Am Ende des Tages zeigte sich, dass beide Paellas bei den Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern gleichermaßen beliebt waren.

Darüber hinaus hatte Ingrid Keller vom Sozialen Dienst des Gerricusstifts mit ihrem Team ein buntes Programm auf die Beine gestellt: „Schatzi & die Schlagerpiratin“ unterhielten mit deutschen und englischen Liedern. Kinder und Jugendliche der spanischen Gemeinde Düsseldorf führten spanische Tänze auf und Marianne Bölitz, die in ihrem eigenen Studio „Al Armana“ in Erkrath Orientalischen Tanz unterrichtet, zeigte ihr Können. „Die Stimmung ist sehr gut, und ich habe bisher nur positive Rückmeldungen bekommen“, fasste Ingrid Keller zusammen. Zudem nahmen dieses Jahr mit rund 100 Personen besonders viele Bewohnerinnen und Bewohner mit ihren Angehörigen am Sommerfest teil.


An der langen Kaffeetafel schmeckt es besonders gut. (Alle Fotos: Günter Berghahn)

Wie schon in den Jahren zuvor waren auch dieses Mal wieder eine Tombola sowie ein Quiz zum Ankreuzen bei den Bewohnerinnen und Bewohnern sehr gefragt. Den Hauptgewinn – ein Gutschein für das italienische Eiscafé Ghirloni – gewann Uwe Bauersachs. Wenn er den Gutschein bei einem Besuch dort einlöst, denkt er sicher gerne an das abwechslungsreiche Sommerfest im Gerricusstift zurück.


 

Kaltschale gegen Hitze

06.07.2017 Hildegard Gandelheid (84 Jahre) ist sehr konzentriert bei der Sache. Obwohl ihre Finger nur eingeschränkt beweglich sind, gelingt es ihr erstaunlich gut, jede einzelne rote Johannesbeere fein säuberlich von der Rispe zu trennen und in eine große Metallschüssel zu bugsieren.


Hildegard Gandelheid bereitet die Johannesbeeren vor.

14 Teilnehmer der Kochgruppe des Pflege- und Altenheims Gerricusstift in Düsseldorf-Gerresheim sind an diesem Julivormittag zusammen gekommen, um gemeinsam eine Mahlzeit zuzubereiten. Doch statt wie üblich ein leckeres Mittagessen wie beispielsweise Spargel mit Kartoffeln oder Gemüsesuppe vorzubereiten, steht dieses Mal aufgrund der sommerlichen Temperaturen Kaltschale aus Beerenobst auf dem Programm. Für die fruchtige Nachspeise machen sich die Bewohnerinnen gleich ans Werk: Kirschen müssen entsteint, Johannesbeeren gezupft und Erdbeeren von den grünen Blättern befreit werden.


Hildegard Herrmann (l.) entsteint unterdessen die Kirschen.

 „An heißen Tagen achten wir darauf, dass unsere Bewohnerinnen und Bewohner möglichst nichts Schwerverdauliches essen und ausreichend trinken“, sagt Irene Hoppe vom Sozialen Dienst des Gerricusstifts. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Nicole Vetten leitet sie die Koch- und Backgruppe der Einrichtung, die sich jeden ersten bzw. dritten Mittwoch im Monat trifft. Eine fruchtige Kaltschale sei im Sommer ideal, weil sie dem Körper Flüssigkeit, Vitamine und Erfrischung biete“, ergänzt Irene Hoppe. 


Gisela Gasper macht das Obstputzen sichtlich Freude.

Trotz vielerlei körperlicher oder demenzieller Beeinträchtigungen gelingt es den älteren Damen recht schnell, die sechs Kilogramm Obst zu putzen. Bloß die Kirschen brauchen etwas länger, weil es nur zwei Entsteiner gibt. Doch beherzt greift so manche Bewohnerin zum Messer und schneidet die Kirsche auf, um an den Kern zu gelangen. Nebenbei sei dies ein wunderbares Training der Feinmotorik, weiß Nicole Vetten vom Sozialen Dienst. „Vor einiger Zeit haben wir Sparschäler für die Kochgruppe angeschafft. Doch unsere Bewohnerinnen schälen die Kartoffeln lieber mit dem Messer – wie früher“, fügt sie hinzu. Überhaupt kämen die Bewohnerinnen beim gemeinsamen Kochen und Backen leichter miteinander ins Gespräch. „Da erzählen sie gerne über ihr Leben und ihre Gewohnheiten“. An diesem Vormittag geht es plötzlich um Reibekuchen, die die Kochgruppe auch gerne mal zubereitet. Zwei Bewohnerinnen, die aus Schlesien stammen, erklären ihren rheinischen Mitbewohnerinnen, dass die Kartoffelpuffer in ihrer Heimat nicht „Rievkooche“, sondern „Flinsen“ genannt werden.

 


Auch Maria-Katharina Busch ist voll konzentriert bei der Sache.

Unterdessen kocht Nicole Vetten in einem riesigen Topf Wasser mit Zucker, Vanillestangen, einer Prise Salz und Perlsago auf. Erst nachdem sich die weißen Stärkekügelchen aufgelöst haben, fügt die Mitarbeiterin des Gerricusstifts das Beerenobst hinzu und lässt das Ganze noch einige Zeit weiterköcheln. „Unsere Bewohnerinnen kennen Perlsago aus Nachkriegszeiten und vergleichen das Aussehen im gequollenen Zustand gerne mit Froschlaich“, erzählt Nicole Vetten lächelnd.


Nicole Vetten fügt das Beerenobst dem Sud aus Perlsago hinzu. (Alle Fotos: Angelika Fröhling)

Während normalerweise die Mitglieder der Kochgruppe nach dem „Schnibbeln“ dazu übergehen, weiße Tischdecken aufzulegen und mit Blumenvasen zu dekorieren („das Mittagessen wird dann richtig zelebriert“, so Irene Hoppe), haben sie sich heute etwas länger zu gedulden. Die Fruchtsuppe muss noch auskühlen und wird erst zum Abendbrot serviert. Aus Erfahrung weiß Irene Hoppe, dass die Bewohnerinnen gerne noch einen Nachschlag nehmen, wenn sie die Mahlzeit selbst zubereitet haben: „Selbstgekochtes schmeckt einfach besser.“ Und: „Ich bin gespannt, wie es heute Abend mit der Kaltschale ist.“


 

 

Fitnesstraining auch im hohen Alter.


Gabriele Schröder (r.) vom Gerresheimer Turnverein leitet jeden Montag das Fitnesstraining im Gerricusstift. (Foto: Anja Schmitz)

22.05.2017 Übungsleiterin Gabriele Schröder muss die beiden Herren, die gemeinsam mit 15 Damen im Clubraum des Pflege- und Altenheims Gerricusstift im Kreis sitzen, nicht lange überreden. Bereitwillig lassen sich Günter Berghahn (87 Jahre) und Helmut Palm (76 Jahre) Gewichtsmanschetten um die Handgelenke binden, damit die Sitzgymnastik noch intensiver wirkt. Und dann geht es auch schon los. Begleitet erst von Volksmusik und dann von brasilianischen Rhythmen werden die Bewohnerinnen und Bewohner des Gerricusstifts angeregt, ihre Arme, Schultern, Rumpf, Beine und Füße zu bewegen.

 


Günter Berghahn bekommt Gewichtsmannschetten angelegt. (Foto: Anja Schmitz)

Dabei kommt keine Langeweile auf: Im Laufe des einstündigen Trainings verteilt Gabriele Schröder bunte Wischtücher, Brasils (ovale, mit Sand gefüllte Gummigewichte mit einer genoppten Oberfläche) und Rumba-Rasseln. In der sich anschließenden, zweiten Gymnastikstunde für Senioren, die allen Mitgliedern des Gerresheimer Turnvereins offen steht, bringt die Trainerin an diesem Tag Bälle und Holzstangen zum Einsatz. 

Der Landessportbund NRW ist sehr zufrieden, wie es in Düsseldorf-Gerresheim läuft. Das Pflege- und Altenheim Gerricusstift und der Gerresheimer Turnverein 1883 e.V. sind einer von 35 Kooperationspartnern, die das Modellprojekt „Bewegende Alteneinrichtungen und Pflegedienste“ aus dem Programm „Bewegt älter werden in NRW“ des Landessportbundes vorbildlich umsetzen. Dabei profitieren beide Seiten: das Altenheim stellt den Raum zur Verfügung und erhält dafür eine kostenlose Sportstunde für die Bewohnerinnen und Bewohner. Der Turnverein wiederum kann eine Sportstätte nutzen, die für Senioren barrierefrei und gut erreichbar ist – ein großer Vorteil in einer Stadt, deren Hallensituation seit Jahren angespannt ist.

 


Mit "Brasils" und südamerikanischer Musik lässt sich leicht die Hand- und Armmuskulatur trainieren. (Foto: Angelika Fröhling)

„Wir möchten bewegungsfreundliche Alteneinrichtungen fördern“, erklärt Marcel Ernst vom Landessportbund NRW. Ziel sei es, dass die Zahl der teilnehmenden Einrichtungen von derzeit 35 bis zum Ende des Projekts im Jahr 2019 auf insgesamt 100 ansteigt. Als „Anschubförderung“ stellt der Landessportbund den Vereinen jeweils 1.000 Euro zur Verfügung, die diese dann für Materialien und Übungsleiterhonorar einsetzen können. Gabriela Jaik, Geschäftsführerin des Gerresheimer Turnvereins, freut sich zwar über die Finanzspritze, doch sei dies gar nicht der ausschlaggebende Grund gewesen, an dem Programm des Landessportbundes teilzunehmen: „Wir platzieren seit Jahren Sportangebote an Orten, wo ältere Menschen leben und unsere Mitglieder gut hinkommen können.“

Tatsächlich arbeiten das Pflege- und Altenheim Gerricusstift und der Gerresheimer Turnverein schon seit 13 Jahren gut zusammen – mit einer Unterbrechung während des umfangreichen Umbaus des Gerricusstifts. „Wir wollen die Beweglichkeit unserer Bewohner fördern und sehen das Angebot des Turnvereins als optimale Ergänzung zu unseren übrigen Bewegungsangeboten wie beispielsweise unser wöchentliches Balancetraining“, sagt Remy Reuter, der Leiter des Gerricusstifts. In seiner Einrichtung werden die Mitarbeiter individuell geschult, um möglichst viel Bewegung in den Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner zu integrieren. Da viele Bewohner einer Generation angehörten, die hart gearbeitet, aber keinen Sport nach unserem heutigen Verständnis getrieben habe, werden sie von den Mitarbeitern zu kleineren Bewegungen zum Beispiel schon morgens beim Aufstehen angeregt, ohne dass dies „Turnstunde“ genannt würde, so Remy Reuter.


(Foto: Marcel Ernst)

„Allein mit Stuhlgymnastik kann man auf Dauer keinen Senior vom Sofa herunter locker“, weiß auch Axel Scherschel vom Stadtsportbund Düsseldorf, der gemeinsam mit dem Landessportbund die „Netzwerkpartnerschaften“ zwischen einem Altenheim oder Pflegedienst und einem Sportverein fördert. Dabei ist Fitnesstraining keine Frage des Alters: Auch wer im Rollstuhl sitzt oder einen Rollator benutzt, kann seine Bewegungsfähigkeit steigern. Übungsleiterin Gabriele Schröder bekräftigt, dass sich viele Teilnehmer schon im Anschluss an die Gymnastikstunde besser bewegen könnten und sich entsprechend wohler fühlten. „Eine Teilnehmerin erzählte mir, dass sie durch das Training wieder Treppen steigen könne“, so Schröder. Das sei eine schöne Bestätigung ihrer Arbeit.


 

Streichelzoo zu Gast im Gerricusstift

16.03.2017. In der mit rund 60 Bewohnerinnen und Bewohnern gut besetzten Caféteria des Gerricusstifts in Düsseldorf-Gerresheim herrscht an diesem Donnerstag ein ungewöhnlich hoher Lautstärkepegel. Kein Wunder, denn Gabi Weyerhorst von „Gabis mobiler Tierfarm“ aus Essen sorgt für reichlich Gesprächsstoff. Sie hat Pony Moritz, Esel Jonathan, die Wüstenrennmäuse Minnie und Mausi, die beiden Frettchen Hugo und Fips sowie sieben Kaninchen mitgebracht. Therese Herbst gefällt es, den geduldigen Esel Jonathan zu streicheln – obwohl sich sein Fell für sie „sehr komisch“ anfühlt. Normalerweise redet die 100-Jährige nicht sehr viel, doch heute erzählt sie bereitwillig, dass sie und ihr Bruder früher einen Hund, Kaninchen und Tauben gehalten haben. 



Therese Herbst findet, dass sich Esel Jonathans Fell "sehr komisch" anfühlt.

Ingrid Keller vom Sozialen Dienst des Pflege- und Altenheims kennt das: „Wir stellen jedes Mal fest, dass bei den Bewohnerinnen und Bewohner Erinnerungen von früher hochkommen und dass sie sich viel mehr untereinander unterhalten, wenn Tiere im Raum sind.“ Das Streicheln des Fells fördere zudem die Aufmerksamkeit. Es sei ganz offensichtlich, dass die Tiere die Stimmung der Bewohner aufhellen, so Ingrid Keller.



Horst Ehmke streichelt eines der sieben Kaninchen.

Von der positiven Wirkung der Vierbeiner ist auch Jutta Reidenbach überzeugt. Ihre an Demenz erkrankte, 85 Jahre alte Mutter Margarete Dudka hat Kaninchen Sandy auf dem Schoß. „Und endlich leuchten ihre Augen wieder“, sagt Jutta Reidenbach. Früher hätte ihre Mutter mit Begeisterung auf ihren Hund Snoopy aufgepasst. Leider habe er vor einem Jahr eingeschläfert werden müssen. Deshalb freue sich ihre Mutter so, mal wieder ein Tier streicheln zu dürfen.



Der kleine Nager "Mausi" bereitet Lucia Losse sichtlich Freude.

Für Aufregung sorgen die beiden quirligen Frettchen Hugo und Fips. Sie laufen zwar durch die mitgebrachten Röhren. Doch viel lieber flitzen sie über den Boden der Cafeteria, so dass Gabi Weyerhorst Mühe hat, die schnellen Tiere wieder einzufangen, damit die Gerricusstift-Bewohner sie auch mal streicheln und näher anschauen können. An „Minnie“ und „Mausi“ scheiden sich dann allerdings die Geister. Während sich einige Bewohner und Bewohnerinnen schnell abwenden und der 49-jährigen Tierpädagogin damit signalisieren, dass sie keinen Kontakt zu einer Wüstenrennmaus wünschen, kann Lucia Losse gar nicht genug von „Mausi“ bekommen. Amüsiert lässt die 77-Jährige den kleinen Nager auf ihren Händen, Armen, Schultern und sogar im Nacken herumlaufen.



Auch bei anderen Bewohnerinnen kommt die Wüstenrennmaus von Gabi Weyerhorst (r.) gut an.

Als Gabi Weyerhorst nach gut zwei Stunden die Kaninchen wieder einsammelt, um sie in die mit Streu gepolsterten Transportboxen zu setzen, wird sie bereits gefragt, wann sie mit ihrem Streichelzoo wiederkommt. Lange wird es sicher nicht dauern bis die nächsten Tiere gestreichelt werden dürfen, denn das Pflege- und Altenheim Gerricusstift lädt regelmäßig Tierbesitzer ein, mit dem Besuch ihrer Lieblinge den Bewohnerinnen und Bewohnern eine Freude zu machen. In der Zwischenzeit sorgen immerhin „Sammy“ und „Gisy“ für Abwechslung. Die lebhaften Hunde von Pflegefachkraft Heike Maigatter und Petra Reinartz, der kommissarischen Pflegedienstleiterin sind mehrmals in der Woche in den Wohnbereichen zu Gast und lassen sich auch gerne kraulen.



"Da steht ein Pferd auf'm Flur" - Pony Moritz macht alles mit. (Fotos: Angelika Fröhling)