"Anpflanzen": Schüler und Bewohner bestücken Hochbeete

18.05.2018. Die Unsicherheit ist groß: Handelt es sich um Thymian? Oder Majoran? Während die 89-jährige Waltraud Alisch und die 15-jährige Ruth Schirra noch rätseln, welche Pflanze sie da gerade in die Erde des Hochbeets setzen, klärt Nicole Vetten vom Sozialen Dienst des Gerricusstifts auf: „Das ist Rosmarin und der schmeckt besonders gut zu Fleisch oder Kartoffeln.“ Gut 25 Bewohner und Mitarbeiter des Pflege- und Altenheims Gerricusstift in Düsseldorf-Gerresheim sowie drei Schülerinnen des Marie-Curie-Gymnasiums sind an diesem Tag bei herrlichem Sonnenschein und den Klängen einer Akkordeonspielerin in den geschützten Sinnesgarten der Einrichtung gekommen, um die Neubepflanzung der drei fahrbaren Hochbeet-Tische mit Blumen, Kräutern und kleinen Gemüsepflanzen zu erleben. Mit Unterstützung der Schülerinnen greifen einige Bewohnerinnen und Bewohner gleich beherzt zu den Gartenschaufeln, graben Löcher in die Erde und versenken darin vorsichtig die bereit gestellten Kohlrabi-, Tomaten- und Paprikapflanzen.   


Jürgen Dünnebacke, Günter Berghahn, Linn Steinberg und Hildegard Herrmann (v.l.) bepflanzen eines von drei mobilen Hochbeeten mit Blumen.

Das Buddeln in der Erde ist für Phoebe Gurbin eine neue Erfahrung: „Wir haben zu Hause keinen Garten oder Balkon, und ich finde es schön, sich mal richtig die Hände schmutzig zu machen.“ Der 15-jährigen Gymnasiastin gefällt das „Anpflanzen“, weil es eine „schöne Abwechslung ist“. Sie macht zurzeit ein Sozialpraktikum im Gerricusstift und besucht jede Woche für zwei Stunden die Bewohnerin Hildegard Herrmann. Oft schiebt Phoebe Gurbin dann die Rollstuhlfahrerin am Pillebach entlang, sie gehen zusammen zum Kegeln und spielen ein Gesellschaftsspiel. Auch für Hildegard Herrmann ist der heutige Tag etwas Besonderes. Sie hilft regelmäßig in der Koch- und Backgruppe des Gerricusstifts mit und freut sich schon darauf, bald etwas ernten zu können. „Es ist schon etwas anderes, wenn ich weiß, dass die Kräuter und das Gemüse auf meinem Teller selbst angebaut sind“, sagt die 89-Jährige.


Phoebe Gurbin, Hildegard Herrmann, Waltraud Alisch und Ruth Schirra (v.l.) setzen Kräuter und Gemüsepflanzen.

Es dauert nicht lange und die drei mobilen, auch für Rollstuhlfahrer bequem unterfahrbaren Hochbeete – eine Spende der Deutschen Bank – sind bestückt und gewässert: Eines mit Kräutern, eines mit Gemüse- und Erdbeerpflanzen und eines mit Sonnenblumen, Fuchsien und Männertreu. Vor allem das Blumenbeet hat es Gerricusstift-Bewohnerin Elisabeth Graf angetan. Die 85-Jährige hat schon als Kind gerne gegärtnert: „Meine Mutter musste mir in unserem Kleingarten immer ein Stück abgeben und dann habe ich dort Margeriten, Sonnenblumen und Tulpen gepflanzt.“ Auch bei Wilma Dittmann kommen beim Anblick der Beete Erinnerungen hoch: „Im Krieg haben wir den ganzen Winter von Eingemachten aus unserem Garten gelebt.“ Gerne erinnert sich die 87-Jährige auch daran, wie sie als Kinder versuchten, die längste Möhre aus dem Boden zu ziehen oder den dicksten Apfel zu pflücken. 


Die "Anpflanz-Aktion", die Musik und das sonnige Wetter haben viele Bewohner in den Sinnesgarten gelockt.

„Die Bewohnerinnen und Bewohner freuen sich, die Pflanzen und Blumen auf den Hochbeeten wachsen zu sehen“, weiß Ingrid Keller vom Sozialen Dienst des Gerricusstifts aus Erfahrung. Das regelmäßige Gießen der Pflanzen sei zudem für viele Bewohnerinnen und Bewohner eine sinnvolle Beschäftigung, so Keller. Dass das Pflege- und Altenheim erst vor vier Wochen die Patenschaft für zwei Hochbeete im nahe gelegenen Kleingartenverein „Am Balderberg“ übernommen hat, hält Ingrid Keller für eine gute Ergänzung der eigenen Hochbeete: „Unsere noch gut beweglichen Bewohner pflegen lieber die Pflanzen im Kleingartenverein und nutzen es aus, dort Kontakt zu den Vereinsmitgliedern aufzubauen.“ Während die gerade gesetzten Gemüsepflanzen in den Hochbeeten des Gerricusstifts noch wachsen müssen, konnten die Bewohnerinnen und Bewohner aus den Beeten im Kleingartenverein bereits die erste Ernte einfahren: Beim sich an das „Anpflanzen“ anschließenden Grillabend gab es Salat aus eigenem Anbau.


Zu den Klängen einer Akkordeonspielerin singen Bewohner und Betreuer sommerliche Volkslieder und Schlager.

Text und Fotos: Angelika Fröhling